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Lernen neuro - bio - logisch

kohlbergSelbstorganisiertes Lernen in fraktalen Bildungseinrichtungen
Von Wolf-Dieter Kohlberg, Dipl. Pädagoge, Universität Osnabrück FB 03 Institut f. Erziehungswissenschaften 

Sowohl kognitive als auch soziale Systeme sind durch Nicht-Linearität und Selbststeuerung gekennzeichnet. Pädagogisches Handeln kann daher Lern- und Entwicklungsprozesse nur anregen, aber nicht determinieren. Diese Sichtweise hat weitreichende Auswirkungen auf pädagogisches Handeln. Der einzelne Lernende oder eine Gruppe Lernender kann somit nicht direkt durch Lehrende zu einem Verhalten bzw. zu einer Verhaltensänderung - als weiteste Umschreibung von Lernen - veranlaßt werden. Komplexe Systeme können aus dieser Perspektive nur zu je eigenen - durch ihre interne Strukutur vorgegebene - Operation angeregt, aber nicht determiniert werden. Hieraus leitet sich eine prinzipielle Unsicherheit pädagogischen Handelns ab. Folgen wir dieser Orientierung, müssen wir als Lehrende akzeptieren, daß Lernende sich die angebotenen Lerninhalte nach ihren Regeln und Vorerfahrungen, nach ihren eigenen Verständniszugängen und im Kontext ihrer je individuellen Lebens- welt aneignen. Grundlage jeder pädagogischen Handlungsmöglichkeit ist somit die prinzipielle Fähigkeit komplexer Systeme, mit der Umwelt zu interagieren und je eigene Modelle von Wirklichkeit zu konstruieren. Unterrichten ist somit der Versuch, komplexe Systeme, die nach ihrer eigenen Logik operieren, anzuregen. D.h., es ist prinzipiell unmöglich (direkt) zu Lehren, sondern es ist nur möglich, Lernprozesse zu aktivieren.

Selbstorganisiertes Lernen ist kein technokratisch zu planender und zu steuernder Lehr-/ Lernprozeß, sondern hier geht es um die verantwortliche Konstruktion von lern- und entwicklungsförderlichen Lebenswelten.
Es ist gekennzeichnet durch die Einbindung der emotionalen Dimension in die Konstruktion von lern- und entwicklungsförderlichen Lebenswelten. Ob Lernprozesse gelingen oder gestört bzw. dauerhaft blockiert werden, hängt von der affektiven Deutung des Lerngegenstandes bzw. -kontextes durch das lernende Individuum ab. Um individuelle Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten im Unterricht anzuregen, ist es entscheidend, daß die Lernenden eine Unterrichtskultur vorfinden, in der sie sich sicher und geborgen fühlen können. Sie müssen erfahren, daß sie gebraucht werden, daß nicht ihre Schwächen angeprangert, sondern ihre Stärken gefördert werden.

Selbstorganisierter Unterricht öffnet sich gegenüber der Individualität der Lernenden. Nicht mehr der Lernende muß sich den Bedingungen und Anforderungen der Bildungseinrichtung anpassen, sondern die Bildungseinrichtung ist aufgefordert, möglichst für alle Lernenden ein lern- und entwicklungsförderlicher Lebensraum zu werden. Er unterstützt und regt die Solidarität der am Unterricht beteiligten Personen an. Die didaktische Herausforderung liegt hier in der Anregeung, Unterstützung und Begleitung sozialer Ressourcen im solidarischen Handeln.

Die didaktische Herausforderung liegt hierbei in der kollegialen Verknüpfung unterschiedlicher didaktischer Zugangsweisen zu einer gemeinsamen Orientierung pädagogischen Handelns.

Selbstorganisierter Unterricht erfordert die Wahrnehmung und Berücksichtigung der Lebenswelten der Lernenden. Die didaktische Herausforderung liegt dabei in der Einbeziehung von Erlebnissen und Erfahrungen der Alltagswelt, von Ängsten, Wünschen und Träumen der Lernenden im Unterricht.

Selbstorganisierter Unterricht erfordert die Überwindung einer Defizit- zugunsten einer Fähigkeitsorientierung. Die didaktische Herausforderung liegt hierbei in der Vermeidung einer „Reparaturdienstorientierung“ für pädagogisches Handeln.

Selbstorganisierter Unterricht überwindet gleichschrittiges, lehrerzentriertes Lernen, das sich an der Illusion von homogenen Lernengruppen orientiert. Stattdessen wird im Unterricht die Entwicklung einer pädagogischen Kultur der Lernförderung und Lernbegleitung und die damit verbundene Gestaltung von lern- und entwicklungsförderlichen Lebensräumen für die Lernenden in ihrer Unterschiedlichkeit betont.

Selbstorganisierter Unterricht ist insbesondere durch Handlungsorientierung gekennzeichnet. Die Zielperspektiven heißen hier „Förderung eines positiven Selbstwertgefühls“ und „Förderung kooperativen, solidarischen Handelns“. Entscheidend ist hierbei die Realisierung von Handlungsprodukten, auf die sich Lernende und Lehrende gemeinsam einigen.

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