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CookUOS trifft: Kochbuch der Gefühle

  
kochbuch gefuehle
EINSTIEG
Das Kochbuch der Gefühle – ein Kochbuch, ja. Wenn auch sicherlich kein normales
Kochbuch. Doch: Was ist schon normal? Und (oder aber): Kommen Gefühle nicht
sowieso in ganz vielen anderen Kochbüchern vor? Ja, stimmt. Zum Beleg hierfür
habe ich die Anfänge einiger ausgewählter Kochbücher ausgewählt und stelle diese
im Folgenden kurz vor. Das legendäre Kochbuch „Die neue Küche" von Paul Bocuse
(1977) etwa beginnt in Kapitel 1 folgendermaßen (S. 17):
Alle Küchenarbeiten und Zubereitungen beruhen, gleichgültig, ob sie
einfach oder kompliziert sind, auf ganz bestimmten Grundregeln. Diese
müssen immer peinlich genau beachtet und eingehalten werden, wenn
alle Arbeiten gleichmäßig gut gelingen sollen, die für die vollkommene
Zubereitung eines Menus nötig sind.
Gut, wenn man nach dieser eher einschüchternden Botschaft zu Tim Mälzers (2004)
„Born to cook" greifen kann. Hier steht nämlich (S. 7):
Keine Angst und fürchtet euch nicht! Meine Botschaft ist einfach: Beim
Kochen kann eigentlich nichts schief gehen. Alles wird gut [...]
Ebenfalls Mut und auch intellektuellen Appetit machen kann das philosophische
Kochbuch von Riermeier und Steiner (2010, S. 7). Dieses beginnt mit:
„Sapere aude!
‚Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen' - so übersetzt
der Philosoph Immanuel Kant das antike, vom römischen Dichter Horaz
überlieferte Wort ‚Sapere aude' und beantwortet damit die Kernfrage
seiner berühmten Streitschrift ‚Über die Beantwortung der Frage: Was ist
Aufklärung?'.
Der weitere und ursprünglichere Sinn des Wortes ‚sapere' liegt
allerdings im Umkreis des Wortes ‚Schmecken'. ‚Sapere aude' bedeutet
also auch: ‚Habe Mut, dich deines eigenen Geschmacks zu bedienen!'
und mit dem französischen Philosophen Michel Serres ergänzen wir:
Es wird ein wenig zu schnell vergessen, dass homo sapiens zunächst
den bezeichnet, der sapor, Geschmack hat, der ihn schätzt und sucht,
dem der Geschmackssinn wichtig ist, das schmeckende Tier, und erst
dann den, der durch Urteilskraft, Verstand oder Weisheit zum Menschen
geworden ist, zum sprechenden Menschen."
Viele Kochbücher thematisieren im Vorwort oder der Einleitung die Gefühle Freude,
Liebe, Lust, Leidenschaft oder Glück:
„Meine Liebe zum Kochen ist in Italien noch größer geworden." (Overakker & de
Leeuw, 2009, S. 9)
„Ich kann mein Glück kaum fassen, wenn ich Gemüse und Kräuter aus dem eigenen
Garten auf meinem Teller wiederfinde." (Overakker & de Leeuw, 2009, S. 11)
„Kann man die Lust am Genießen mit einer rundum gesunden Küche verbinden?
Man kann!" (Lafer, Brussee & Gasser, 2006, S. 7).
„Dieses Buch sprüht vor Lebensfreude." (Maslakian & Klemt, 2013, S. 5)
„Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Freude am Kochen mit einer Vielzahl von
frischem Gemüse, Kräutern und Gewürzen, die das Jahr über rund um den Globus
wachsen." (Richardson, 2005, S. 6)
Und bei Seethaler (2010) sind Glück und Liebe gleich im Titel des Buches, welches
heißt „Vom Glück, mit Liebe zu kochen", enthalten.
Doch auch Überraschung ist ein Thema:
Alles wird gut - und zum Schluss ist man satt und glücklich.
Überglücklich, denn was da vom Teller in den Magen gelangt, soll
schmeicheln: der Zunge und dem Gaumen, eigentlich allen Sinnen, und
vor allem: Es soll Sie überraschen! Immer wieder aufs Neue.
(Mälzer, 2004, S. 7)
 
„Ihr ursprünglicher Geschmack überrascht mich jedes Mal aufs Neue." (Overakker &
de Leeuw, 2009, S. 11)
Aus diesen Kochbuchanfängen bereits kann man also schließen, dass Kochen
irgendwas mit Angst und Mut (keine Angst und fürchtet Euch nicht – alles wird gut)
zu tun haben muss, aber auch mit vielen freudigen Gefühlen, Genuss und
Überraschung. Dass Kochen und Essen mit weit mehr – wenn nicht sogar mit
eigentlich allen und vor allem auch mit vielen negativen – Gefühlen in Verbindung
gebracht werden können, ist uns im Laufe des Projektes „Kochbuch der Gefühle"
schnell klar geworden.
In diesem Zusammenhang: Wie fängt nun das Kochbuch der Gefühle an?
Es beginnt mit einem Zitat (Bermeitinger, 2012, S. 5)
'Streng genommen hat nur eine Sorte von Büchern das Glück unserer
Erde vermehrt: die Kochbücher' – soweit Joseph Conradi (zitiert nach
Schneider, 2006, S. 69). Der Diogenes-Verlag schreibt dazu: ‚Doch nicht
nur kochen, auch nur schon über Essen lesen kann glücklich machen.'
(Kampa, 2009, Umschlagrückseite) Das ist sicherlich richtig, jedoch kann
über Essen zu lesen auch Ekelgefühle aufsteigen, Vorfreude und
Fernweh entstehen, nostalgische Gefühle aufkommen, oder sogar die
Angst, ein Gericht niemals so hinzubekommen, emporkriechen lassen.
Und Kochbücher (wahlweise Kochbuchautoren oder einzelne Rezepte),
auf die man sich zu sehr verlässt, können sogar Zorn auf sich ziehen,
wenn etwas nicht so gelingt, wie es soll (vgl. z.B. Barnes, 2009). Jedoch
können sowohl die zu ungenaue als auch die zu detaillierte
Beschreibung von Rezepten zu Ärger führen.
 
Wie wir schon bei den Kochbuchanfängen sehen konnten, geht es eigentlich immer
um Gefühle, wenn man beim Thema Kochen und Essen ist. Es ist nur ein kleiner
Schritt vom Essen zu Gefühlen und andersherum, und vielleicht ist es gar kein
Schritt, sondern vielleicht sind Essen und Emotionen nur zwei Bestandteile einer
einzigen Bewegung, was besonders bemerkenswert ist, wenn man sich vor Augen
führt, woher das Wort Emotion eigentlich kommt. Das Wort Emotion stammt nämlich
von dem lateinischen Wort emovere ab, was so viel wie herausbewegen bedeutet
(vgl. z.B. Rothermund & Eder, 2011) – wir zeigen der Welt, was in uns vorgeht, wir
gehen aus uns heraus. Essen dagegen ist quasi so etwas wie hineinbewegen – wir
verleiben uns die Welt (den Apfel, Braten oder die Nudel) ein. Demnach sind
Emotionen und Essen also auch zwei Pole einer Bewegung.
 
DAS PROJEKT
Das Projekt „Kochbuch der Gefühle" hat sich jedoch nicht nur theoretisch mit den
Themen Kochen/Essen und Gefühlen – und damit im weiteren Sinne mit den beiden
Polen Körper und Geist, Physisches und Psychisches – beschäftigt, sondern hatte
daneben auch praktische, pädagogische und interdisziplinäre Anteile.
Das Kochbuch der Gefühle ist in einem Kooperationsprojekt im
Wintersemester 2011/2012 zwischen Kochauszubildenden des damals zweiten
Lehrjahres der Walter-Gropius-Schule in Hildesheim und Masterstudierenden der
Psychologie der Universität Hildesheim entstanden (vgl. auch Bermeitinger, Flatau &
Althaus, 2012). Lasse Althaus hat als Fachpraxislehrer Kochen die Leitung des
Projektes an der Walter-Gropius-Schule übernommen. Gemeinsam haben wir
versucht, uns dem Thema Gefühle und Emotionen zu nähern und herauszufinden,
was diese mit Kochen und Essen zu tun haben, wann welche Gefühle auftreten,
inwiefern Gefühle beeinflussen, was wir essen, wie wir kochen, ob wir kochen und ob
wir überhaupt irgendwas essen und inwiefern das, was wir essen und die
Bedingungen, Handgriffe und Abläufe in der Küche auch wiederum unsere Gefühle
beeinflussen.
Hilfsmittel hierzu waren unter anderem Musikstücke, Blindverkostungen,
Fühlboxen, Zimtstern-Backen ohne Worte, jede Menge Lachen, viele Gespräche in
Zweier- und Dreierteams und anschließender Austausch in der großen Runde. Am
Ende dieser Projektphase haben alle Beteiligten gemeinsam Mindmaps zu 15
Gefühlen erstellt. Die Mindmaps dienten als Grundlage für die Zusammenstellung
von Warenkörben, in die einerseits bereits schon genaue Rezeptvorstellungen und
Gerichte eingeflossen sind (beispielsweise bei Nostalgie ein Grießbrei, der bereits
auf dem zugehörigen Mind-Map aufgeschrieben worden war) oder nur verschiedene
Zutaten ohne genaue Vorstellung, was daraus werden sollte (das war beispielsweise
bei Wut der Fall, für welche viele rote Lebensmittel genannt wurden und dann auch
im Warenkorb gelandet sind). Die Warenkörbe wurden dann tatsächlich genau so
beschafft und in den folgenden Projektwochen haben die Gefühlsgruppen entweder
die bereits vorgegebenen Gerichte gekocht, verändert, verfeinert, erweitert etc. oder
aus den Zutaten, die noch nicht zu einem bestimmten Gericht zugeordnet waren,
neue Kreationen erstellt. Dass hierbei nicht jedes Gericht im Kochbuch gelandet ist,
liegt in der Natur der Sache – die für Trauer vorgesehene Kohlrabi-Kaltschale, die
durch unglückliche Umstände eindeutig zu viel Grieß abbekam, war tatsächlich ein
ziemliches Trauerspiel.
Am Ende übernahmen die Studierenden die Gestaltung der Kochbuchseiten,
in welche die Rezepte, Recherchen und Ideen aus den Phasen vorher sowohl in die
inhaltliche als auch die optische Gestaltung einflossen.
GEFÜHLE IM KOCHBUCH UND ÜBERHAUPT
Dies waren also die Stationen des Projekts. Welche Gefühle finden sich nun im
Kochbuch – und was ist eigentlich ein Gefühl/eine Emotion? Das Kochbuch ist sehr
individuell gestaltet und jeder Leser wird eigene Vorstellungen mitbringen und bei der
einen Stelle zustimmen, bei anderen Stellen hingegen auch völlig andere Dinge vor
Augen haben. Genau so soll es sein. Auch Gefühle sind so. Wie Gefühle sind, so ist
auch das Kochbuch: Bunt, launisch, unberechenbar, kreativ, mal zu viel, mal zu
wenig, interessant, lebendig, durcheinander, unbeschreiblich, einzigartig.
Aber was ist nun ein Gefühl genau?
Während der Begriff „Gefühl" in der wissenschaftlichen Verwendung für den
subjektiven Teil (also das individuelle Erleben und Empfinden) steht, umfasst
„Emotion" typischerweise weitere Aspekte, die mit Gefühlen einhergehen (d.h. diesen
vorangehen oder nachgeschaltet sind), also auch physiologische Veränderungen
(z.B. Blutdruck, Hormone etc.), weitere körperliche Veränderungen (z.B. Mimik,
Gestik) und Verhaltensbereitschaften (z.B. Fluchtverhalten etc.; vgl. auch
Rothermund, 2011). Also: Zu Emotion gehört mehr als das reine Empfinden, sondern
auch die Handlungen und die körperlichen Veränderungen, die mit dem Gefühl
einhergehen. Im Alltag und auch in unserem Kochbuch werden die Begriffe jedoch
nicht so klar getrennt und meist wird Gefühl gleichgesetzt mit Emotion.
Doch wie viele Emotionen gibt es? Sicherlich gibt es dutzende verschiedener
Emotionen (siehe z.B. auch Uhlig & Mayring, 2003), die sich einerseits in ihrer
Qualität (z.B. fühlt sich Freude anders an als Trauer) und andererseits in ihrer
Intensität vonei-nander unterscheiden (z.B. Panik ist stärker als Besorgnis und Wut
stärker als Verdruss). Psychologen und Wissenschaftler können sich seit
Jahrzehnten auf keine allseits akzeptierte Definition für „Emotion" einigen (z.B.
Dörner, 1999; Grunert, 1993; Izard, 2010; Kleinginna & Kleinginna, 1981; Reisenzein
& Döring, 2009; Schmidt-Atzert, 1996) und genauso wenig ist die Liste dessen,
welche Emotionen und wie viele Emotionen es gibt, von Forscher zu Forscher
verschieden (vgl. Uhlig & Mayring, 2003).
Verschiedentlich wurde versucht, eine Reihe von sogenannten Basis- oder
Primäremotionen zusammenzustellen, beispielsweise anhand von Gesichtsausdrücken,
die eindeutig und kulturunabhängig bei einer bestimmten Emotion gezeigt
werden (Ekman & Friesen, 1971). So gelten etwa die folgenden sechs Emotionen als
Basisemotionen: Freude, Wut/ Ärger, Trauer, Überraschung, Ekel, Angst. In den
letzten Jahren werden weitere Emotionen diskutiert, die nach dem Kriterium
„spezifischer Gesichtsausdruck" ebenfalls eine Basisemotion sein könnten,
beispielsweise Verachtung, Stolz, Scham, Liebe oder Sympathie (z.B. Oatley, Keltner
& Jenkins, 2006). Daneben gibt es jedoch noch viele weitere Versuche, solche
Basisemotionen zu bestimmen – wie gesagt, allseits akzeptiert ist keine Variante
davon.
Jedoch ist das nicht nur eine wissenschaftliche Diskussion, was nun eine
Emotion ist, sondern auch bei der Befragung von Leuten auf der Straße erhält man
hier ganz unterschiedliche Ansichten und Ergebnisse. Die Diskussion macht jedoch
auch deutlich, dass oftmals nicht ganz klar ist, ob ein Zustand nun eine Emotion ist
oder doch etwas anderes, zum Beispiel auch bei „Nostalgie". Selbst bei Überraschung,
die immerhin zu den Basisemotionen nach Ekman gehört, gibt nur die
Hälfte der befragten Personen an, dass es sich um eine Emotion handele, für die
andere Hälfte der Befragten dagegen ist Überraschung keine Emotion (Plutchik,
1994; siehe auch Schmidt-Atzert, 1996). Und auch bei Begriffen wie Kälte,
Gesundheit, Durst oder Hunger sind sich die Befragten nicht hundertprozentig sicher
– es geben teilweise noch 20 Prozent der Personen an, dass es sich hierbei um
Emotionen handelt (z.B. Plutchik, 1994). Da Emotion also eine dehnbare Kategorie
zu sein scheint und Gefühle subjektiv und oftmals auch sehr individuell sind, ist die
Auswahl der Emotionen für das Kochbuch ebenfalls individuell, wobei es auch
durchaus Gefühlskapitel gibt, bei denen sich der eine oder andere fragen mag, ob es
sich dabei wirklich um eine Emotion handelt. Nicht nur die Auswahl an Emotionen ist
individuell, auch die inhaltliche und optische Gestaltung der einzelnen Kapitel in
CookUOS, Januar 2013
Bermeitinger: Kochbuch der Gefühle – Essay und Primer SEITE 6
diesem Kochbuch ist individuell. Im Einzelnen werden auf jeweils fünf bis sechs
Seiten die Gefühle
Angst
Ekel
Euphorie
Fernweh
Gefühlschaos
Geborgenheit
Glück
Leidenschaft
Nostalgie
Stolz
Trauer
Überraschung
Verliebtheit
Vorfreude
Wut
präsentiert.

GESTALTUNG DER GEFÜHLSKAPITEL
Bei der Auswahl der Gerichte und der Gestaltung der Seiten gab es verschiedene
Ausgangspunkte und Assoziationen, darunter Fragen wie:
Was kann ich essen, um Angst zu bekommen,
was - oder überhaupt - esse ich, wenn ich traurig bin,
was esse ich, um weniger traurig zu werden,
was ist eine stolze Speise,
wie koche ich, wenn ich euphorisch bin,
was kann ich trinken, um weniger oder mehr Fernweh zu haben,
was wird mit Nostalgie assoziiert,
welche Farben spielen bei Wut eine Rolle,
welche Speisen sehen eklig aus, sind aber dennoch sehr lecker
und wie schmeckt eigentlich Geborgenheit? Vielleicht wie ein Bratapfel?
Eigene Assoziationen und Ergänzungen oder auch völlig andere Konzeptionen der
Rezepte und Kapitel sind hierbei nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht!
Im Folgenden werde ich nun auf Punkte eingehen, wie Essen und Emotionen
zusammenhängen, wie sie sich beeinflussen können und welche Gemeinsamkeiten
bestehen. Ganz offensichtlich ist wohl: Beim Kochen braucht man
Fingerspitzengefühl – also Fingerspitzengefühl, ein Wort, das im Englischen in
manchen Gegenden ganz allgemein für Emotionales verwendet.

ZUSAMMENHÄNGE & BEEINFLUSSUNGSMÖGLICHKEITEN

Essen und Gefühle können sich gegenseitig beeinflussen. Wenn wir etwas essen,
verändert sich unser Gefühlszustand. Essen ist mit Bedürfnisbefriedigung verbunden
und führt oft generell zu einem wohligen, guten, entspannten Gefühl. Und je
nachdem, in welchem Gefühlszustand wir uns befinden, essen wir anders, kochen
wir anders, essen wir andere Dinge, weniger oder mehr etc.
Unsere Gefühlslage bestimmt also oft (mit), was wir essen, wie wir essen oder
was wir kochen. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind traurig. Was würden Sie dann eher
machen: Eine heiße Schokolade trinken, während Sie auf dem Sofa in eine Decke
eingekuschelt sind, oder ein Fünf-Gänge-Menü in einem Sternerestaurant zu sich
nehmen? Gleichermaßen bestehen je nach emotionaler Lage auch verschiedene
Präferenzen: In negativen emotionalen Lagen etwa steigt die Vorliebe für „junk food",
in positiven emotionalen Lagen steigt die Vorliebe für gesundes Essen (z.B. Parker,
Parker & Brotchie, 2006). In gedrückter Stimmung mögen wir lieber musiges,
cremiges und mildes Essen, wohingegen wir in lustvoller Laune herzhafte, saftige
und knackige Speisen vorziehen (Gniech, 2001).
Essen (aber auch Kochen) wird ganz selbstverständlich und ohne dass wir
uns dessen groß bewusst sind, dazu benutzt, um Gefühle zu regulieren. Das heißt,
wir essen etwas Bestimmtes oder überhaupt, damit wir uns gut fühlen (z.B. Grunert,
1993) oder wir kochen, um zu entspannen. Oscar Wilde legt beispielsweise einer
seiner Figuren – Jack aus „The Importance of Being Earnest" – in den Mund, dass
Essen das einzige sei, was ihn tröstet, wenn er in Schwierigkeiten ist (vgl. z.B.
Magid, 2009). Typische Beispiele für Nahrungsmittel, die wir essen, um unsere
Gefühle in positiver Weise zu beeinflussen, sind Pasta und Schokolade (auch
„Nervennahrung"). Von Schokolade wird allgemein angenommen, dass sie dazu
führt, dass wir uns gut fühlen und glücklich werden. Dies wirkt jedoch meist nur
kurzfristig. Mittelfristig jedoch führt Schokolade eher dazu, unsere schlechte
Stimmung aufrecht zu erhalten (z.B. Fehrmann, 2009; Parker et al., 2006).
Interessanterweise geht es bei den Wirkungen von bestimmten Nahrungsmitteln
häufig nicht (nur) um den tatsächlichen Einfluss von Inhaltsstoffen auf unseren
Körper, sondern die Wirkung verläuft auch und häufig gerade über das, was wir
darüber glauben. Viele Beispiele hierfür sind etwa im Bereich der Aphrodisiaka zu
finden, womit wir beim Thema Leidenschaft wären. Aphrodisiaka sind nach der
griechischen Göttin der Liebe benannt und man versteht darunter Mittel, von denen
man annimmt, dass sie die sexuelle Lust oder Leistungsfähigkeit steigern. Miriam
Hospodar hat in der Zeitschrift „Gastronomica" zu diesem Thema einmal getitelt:
Aphrodisiac Foods: Bringing Heaven to Earth (2004). Eine schöne literarische
Auseinandersetzung mit dem Thema findet sich beispielsweise im Buch Der Koch
von Martin Suter (2010). Wissenschaftliche Studien zeigen dagegen häufig, dass
Aphrodisiaka bei einer Person nur wirken, wenn diese Person an die Wirkung glaubt
(z.B. Friedman, McCarthy, Förster & Denzler, 2005).
Solche Erwartungseffekte treten nicht nur bei Aphrodisiaka auf, sondern in
vielen Bereichen, in denen es ums Essen geht, beispielsweise auch beim Thema
Kaffee und bei Wein. In einer Studie zur Wirkung von Koffein (zitiert nach Harrus-
Révidi, 1998) wurde etwa den teilnehmenden Personen abends entweder Kaffee
oder Milch zu trinken gegeben. Die Personen sollten danach nach Hause gehen und
am nächsten Tag berichten, wie gut sie geschlafen hatten. Erwartungsgemäß
berichteten die Personen, die Kaffee getrunken hatten, von mehr Schlafproblemen
als die Personen, die Milch getrunken hatten. Allerdings – was die Personen nicht
wussten: Der Kaffee war entkoffeiniert und die Milch war mit Koffein versetzt worden.
Also hier waren die Schlafprobleme nicht auf den Wirkstoff Koffein sondern auf die
Erwartung der Personen über die Wirkung von Kaffee zurückzuführen (Bemerkung
am Rande: Es gibt jedoch auch Belege dafür, dass Koffein durchaus auch
unabhängig von der Erwartung Effekte auf uns ausüben kann, z.B. Charney,
Galloway & Heninger, 1984; Lieberman, Wurtman, Emde, Roberts & Coviella, 1987;
Rost, 2001).
Auch zum Thema Wein und Erwartungseffekte gibt es interessante Befunde:
In einer großen Studie mit 6000 Personen fanden beispielsweise Goldstein und
Kollegen (Goldstein, Almenberg, Dreber, Emerson, Herschkowitsch & Katz, 2008)
heraus, dass bei Blindverkostungen eher die günstigen Weine bevorzugt wurden und
den Teilnehmern besser schmeckten als die teuren Weine. Aber es geht noch weiter.
Forscher aus haben in einer ganz aktuellen Untersuchung folgendes gemacht:
Versuchspersonen bekamen verschiedene Weine zu trinken und sie haben
Informationen über deren angeblichen Preis bekommen. Die Weine wurden jedoch
ganz beliebig mit Preisen zwischen 1,65 und 150 Dollar versehen, teilweise handelte
es sich auch um exakt den gleichen Wein, der nur mit einem anderen Preis versehen
wurde. Die Personen wurden einerseits befragt, wie gut ihnen der Wein jeweils
schmecken würde und zum anderen wurden aber auch Aufnahmen ihres Gehirns im
Magnettomographen während der Verkostung durchgeführt (Plassmann, O'Doherty,
Shiv, & Rangel, 2008). Was sich hier zeigte war: Je teurer der Wein angeblich war,
desto besser schmeckte er den Versuchspersonen. Und dies wurde durch die
Antwort, die das Gehirn gegeben hat, bestätigt: Bei den angeblich teureren Weinen
war das Belohnungszentrum im Gehirn viel stärker aktiv als bei angeblich günstigen
Weinen. Auch hier also hat allein die Erwartung (das ist etwas ganz edles, teures, gut
schmeckendes etc.) einen ganz ungeheuren Effekt darauf, wie wir etwas bewerten.
Essen und das, was wir darüber denken und glauben, kann also unsere
Gefühle beeinflussen und dazu führen, dass wir uns gut fühlen. Andererseits kann
Essverhalten als Spiegel unserer Seele angesehen werden (z.B. Fehrmann, 2009):
Stress erhöht den Energiebedarf und löst Hunger aus. Stress schlägt uns auf den
Magen. Essen kann Belohnung oder Trost bedeuten, oder unser Fernweh
besänftigen. Depression geht häufig mit Appetitlosigkeit einher (z.B. Rost, 2001).
Wenn wir verliebt sind, leben wir nur von Luft und Liebe, haben kaum Hungergefühle,
unter anderem wohl, da bei Verliebtheit im Gehirn ein Hormon (Phenylethylamin)
ausgeschüttet wird, das auch mit dem Sättigungsgefühl einhergeht und somit als
Appetitzügler wirkt (z.B. Hassebrauck, 2010). Dagegen führt Essen bei Personen mit
wenig sozialen Kontakten auch gerne mal zu Kummerspeck (z.B. Fehrmann, 2009).
Gleichermaßen kann aber auch Kochen ein Spiegel unserer Seele sein: Der
verliebte Koch versalzt die Suppe, da er vor lauter Verliebtheit an andere Dinge als
an das Kochen denkt. Das Essen schmeckt fade oder ist verbrannt, wenn es dem
Koch nicht so gut geht (z.B. Seethaler, 2010). Und es herrscht unter einigen Köchen
die Meinung, dass man für Personen, die man sehr gern hat, besser kocht als für
Personen, die man nicht kennt oder nicht mag (z.B. Ehlert, 2008).

GEMEINSAMKEITEN

Wenn man sich länger mit dem Thema Essen/Kochen auf der einen Seite und
Emotionen auf der anderen Seite beschäftigt, dann stellt man selbstverständlich viele
solcher gegenseitiger Einflüsse fest, aber, man stellt daneben auch fest, dass es
viele Parallelen und Gemeinsamkeiten der beiden Themen gibt. Ein paar davon
werde ich im Folgenden sehr kurz vorstellen (oder auch nur anreißen).
Häufigkeit/Bedeutsamkeit. Die erste Gemeinsamkeit der beiden Themen Essen auf
der einen Seite und Emotionen auf der anderen Seite ist ganz einfach – beides tritt
sehr häufig im Laufe eines Menschenlebens auf. Man isst etwa 3 Mal am Tag
(Gniech, 2001) und es gibt Studien, die zeigen, dass jeder von uns auch jeden Tag
etwa 1 Mal eine Emotion hat (Oatley & Duncan, 1994). Daneben sind beides aber
auch Dinge, die für uns bedeutsam sind. Essen und vor allem auch gemeinsames
Essen ist in unserem Alltag für viele etwas Wichtiges und auch Emotionen sind für
uns im Alltag wichtig – Emotionen sind quasi das Salz in der Alltagssuppe.
Pro Leben. Beides – Essen und Emotionen sind für das Leben unentbehrlich! Wer
nicht isst, überlebt nicht. Wer keine Emotionen hat, überlebt auch nicht. Während der
ersten Aussage (wer nicht isst, überlebt nicht) wahrscheinlich die allermeisten
Personen ohne Weiteres zustimmen werden1, ist der Wahrheitsgehalt der zweiten
Aussage nicht ganz so offensichtlich. Emotionen? Die behindern uns doch häufig
eher, als dass sie uns nützen. Manchmal lähmen sie uns geradezu – denken wir
beispielsweise an den Schock, wenn wir vom Tod einer nahestehenden Person
erfahren haben. Aber auch Zustände wie Verliebtheit oder Euphorie sind nicht immer
hilfreich. Und erst recht Angst. Wäre es nicht besser, wenn ich keine Angst hätte?
Jedoch ist es tatsächlich so, dass es ohne Emotionen nicht geht. Wir
brauchen Emotionen zum Überleben – das zeigen etwa die Berichte von Personen,
die zum Beispiel durch einen Schlaganfall, eine Operation oder einen Unfall keine
Emotionen mehr haben. Der von dem Neurologen Antonio Damasio (1994)
beschriebene Elliot ist so ein Fall. Aufgrund eines Hirntumors mussten ihm Teile
beider Stirnlappen operativ entfernt werden. Die Operation verlief erfolgreich, der
Patient hatte keinerlei Gedächtnis-, Wahrnehmungs- oder Koordinationsprobleme,
seine Intelligenz lag nach wie vor im oberen Bereich, er war in guter körperlicher
Verfassung und auch sein logisches Denken sowie sein Wissen bezüglich sozialer
Situationen und Konsequenzen war unbeeinträchtigt. Allerdings zeigte sich recht
bald, dass das Verhalten von Elliot deutlich von dem abwich, wie er vor der
Operation war. Elliot hatte vor allem große Probleme damit, zu bestimmen, was er
als nächstes tun wollte und seinen gefassten Zeitplan einzuhalten. Damasio musste
nach vielen Gesprächen und schier unzähligen Tests feststellen, dass Elliot kognitiv
völlig unbeeinträchtigt war. Jedoch: Der Patient war gefühllos. Elliot reagierte neutral
auf Bilder von Katastrophen, er berichtete über sein eigenes Schicksal wie von einem
Zeitungsbericht, nichts berührte ihn mehr, er war leidenschaftslos und distanziert. Um
sich entscheiden zu können, muss man jedoch den verschiedenen Möglichkeiten,
zwischen denen es sich zu entscheiden gilt, unterschiedliche Werte zuordnen (selbst
bei der Speisenauswahl im Restaurant). Dies war Elliot nicht mehr möglich. Letzten
Endes verlor der zuvor erfolgreiche Geschäftsmann und liebevolle Ehemann und
Vater seinen Arbeitsplatz und aufgrund von dubiosen Geschäften all sein Geld.
Seine Ehe(n) ging(en) in die Brüche und er musste sich in die Obhut eines seiner
Geschwister begeben, da er nicht mehr alleine leben konnte. Ohne Gefühle war er
„seiner Fähigkeiten zum sozialen Überleben beraubt" (Damasio, 1994, S. 69).
Auch wenn einzelne Gefühle „fehlen", wird es gefährlich. Adolphs, Tranel und
Damasio (2003) beschreiben einen Patienten, der durch eine Entzündung in einer
bestimmten Hirnregion jeglichen Ekel verloren hat. Dieser Patient ekelt sich nicht
mehr vor verdorbener Nahrung, isst und trinkt diese vor den Augen der
Experimentatoren und gibt an, das Essen sei köstlich. Jede Nahrungsaufnahme ist
1 Darüber hinausgehend gilt für viele Köche jedoch sogar: „Kochen ist Leben, Lernen und
Verwirklichung", wie es Gabriele Kurz (2008, S. 9) beschreibt.
Jede Nahrungsaufnahme ist für diesen Mann potenziell lebensgefährlich! Und auch andere Emotionen wie Angst
sind ja genau dazu da, uns vor gefährlichen Situationen zu schützen und deshalb
eben lebensnotwendig.
Aktualität. Bei beidem handelt es sich um ein Thema, das aktuell – sowohl im
wissenschaftlichen Bereich als auch im öffentlichen Interesse – ziemlich angesagt ist
(z.B. Damasio, 1994; Steinheuer, 2008). Es gibt eine Fülle an Büchern, die sich um
das Thema essen und kochen drehen, nicht nur Ratgeber und Kochbücher, sondern
auch eine Unzahl an Romanen, Gedichtbänden oder philosophischen Abhandlungen
und eine unfassbar hohe Anzahl von Kochshows im Fernsehen. Doch auch Gefühle
und Emotionen sind wieder salonfähig. Dies zeigt sich einerseits wieder im
Fernsehen, wo es beispielsweise in diversen Casting-Shows gerade darum geht, die
Gefühle der Kandidaten einzufangen und dann aber auch ganz gezielt das Thema
Emotionen zu thematisieren – beispielsweise gab es bei Germany's Next Topmodel
tatsächlich ein so genanntes und durchgeführtes „Emotionsshooting"2. Andererseits
werden beispielsweise bei Entscheidungen Emotionen immer stärker auch bewusst
einbezogen und akzeptiert. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Entscheidungen „aus
dem Bauch heraus" (also Bauch <-> Essen!) nicht unbedingt die schlechtesten
Entscheidungen sind und neben rein „rationalen" Entscheidungen bestehen können
(Gigerenzer, 2007).
Schöpfung. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Themen Kochen/Essen und
Emotionen ist im Schöpfungsaspekt zu sehen. Oehler (2006, S. 5) sagt hierzu beim
Bereich Kochen: „Kochen ist Dichtung, Transformation, Schöpfung." Kabelitz (2004,
S. 6) fasst seine Tätigkeit als Koch so zusammen: „Mit Hilfe so elementarere Dinge
wie Feuer, Wasser oder Luft wirke ich als Koch auf Produkte ein, die von der Erde
hervorgebracht wurden, und transformiere sie in einen optisch und geschmacklich
völlig anderen Zustand." Während beim Kochen der Schöpfungsakt eigentlich auf der
Hand – oder besser: in den Händen (der Köche) – liegt, ist bei Gefühlen die
Schöpfungskraft dagegen meist nicht ganz so offensichtlich, aber dennoch
vorhanden. Solomon (2000, S. 380) drückt es folgendermaßen aus: „Gefühle [sind] in
hohem Maße schöpferisch." Oder bei Grün ist zu lesen: „Angst ist lähmend, aber sie
ist ebenso erfinderisch und produktiv." Gefühle können also durchaus dazu führen,
dass wir kreativ, produktiv und schöpferisch agieren.
Handlungsanleitungen. Dann geht es bei Emotionen und auch bei Rezepten darum,
uns mitzuteilen, was in einer Situation zu tun ist. Emotionen und Rezepte sind also
Handlungsanleitungen. Bei Rezepten mag das wiederum relativ offensichtlich sein –
2 http://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/ (zuletzt verwendet: 22.08.2012)
sie sind ja gerade dafür da, damit wir wissen, was wir als nächstes tun müssen (vgl.
Donalies, 2010). Doch wenn man sich mal fragt, wofür im letzten Sinn Emotionen
eigentlich da sind, dann ist die Antwort darauf irgendwas wie: Um unser Überleben
zu sichern, damit wir in einer bestimmten Situation (z.B. einer Gefahrensituation)
nicht lange nachdenken müssen, was jetzt genau zu tun ist (also nehme ich jetzt
meine Hand von der giftigen Schlange weg oder setze ich lieber meinen linken Fuß
zurück), sondern damit wir dann bestimmtes sinnvolles Verhalten einfach ohne
Nachdenken ausführen. In diesem Sinne sind Emotionen genau das:
Handlungsanweisungen dafür, was zu tun ist (z.B. Merten, 2003)
Kommunikation. Auch das Thema Kommunikation ist sowohl beim Essen/Kochen als
auch bei Emotionen dabei. Wie bereits oben angesprochen, sind Emotionen auch
dazu da, um anderen etwas mitzuteilen (vgl. z.B. Oatley et al., 2006; Sokolowski,
2008; zum Überblick siehe auch Bermeitinger, Koch & Wilborn, 2011).
Beispielsweise teile ich der Welt mit, wie es mir geht (und darüber eventuell auch,
was ich von der Welt erwarte), indem ich eine bestimmte Mimik und Gestik zeige. Ich
kann aber durch meine Gefühlsäußerungen andere Menschen auch vor Gefahren
warnen, beispielsweise, wenn ich bei einem überraschenden oder gefährlichen
Ereignisse aufschreie. Emotionsäußerungen sind also unter anderem dafür da, dass
ich mit anderen Personen interagiere und mit ihnen kommuniziere. Wie sieht es nun
bei Essen und auch Kochen als Kommunikationsform aus? Nach dem Kulinaristik-
Experten Wierlacher (2008, S. 113) ist Essen „Reden mit anderen Mitteln". Man kann
beim Essen in Gemeinschaft sprechen. Man kann über das Essen sprechen. Man
gibt etwas über sich selbst preis, darüber, wie man isst und was man ist. Und man
kann auch das Essen sprechen lassen, beispielsweise kommuniziert der Koch ja
gerade durch das Essen mit seinen Gästen. Selbstverständlich interagiert und
kommuniziert man in der Küche auch miteinander. Und schließlich ist auch das
Kochbuch wieder ein Kommunikationsmedium.
Diverses. Weitere Gemeinsamkeiten wie etwa, dass es sowohl in der Küche und
beim Essen als auch bei Gefühlen ziemlich wild durcheinander gehen kann, dass
sich beides über das Leben hinweg verändert, dass beides kulturelle Einflüsse hat
und so weiter, lesen Sie am besten selbst im Kochbuch nach!

ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN
 
Als Fazit möchte ich nun kurz zusammenfassen und nochmals betonen:
Essen/Kochen auf der einen Seite und Emotionen/Gefühle auf der anderen Seite
haben viele Dinge gemeinsam und beeinflussen sich vor allem ständig gegenseitig.
Einige – aber bei weitem nicht alle – Aspekte, die den Zusammenhang und die

Gemeinsamkeiten von Kochen/Essen und Gefühlen betreffen, haben wir im Projekt
„Kochbuch der Gefühle" anreißen können. War das Projekt nun ein Erfolg? Im Laufe
des Projektes wurde einmal diskutiert, ob Erfolg eine Emotion ist, und jemand hatte
Erfolg sogar als Lieblingsemotion genannt. Die näherliegende Emotion wäre
wahrscheinlich Stolz, welcher dann im Projekt zu einer der beliebtesten Emotionen
avancierte. Die Medienressonanz auf das Projekt und das Kochbuch war
überraschend groß. Wenn man diesen Indikator für Erfolg heranziehen würde, dann
war das Projekt sicherlich erfolgreich. Viel wichtiger und wertvoller jedoch sind die
leiseren und persönlichen Rückmeldungen. Allen Projektbeteiligten bleibt zu
wünschen, dass zumindest ein paar Gedanken, Gefühle oder Ideen angeregt wurden
(auch wenn es zunächst nicht unbedingt der schönste Gedanke, das beste Gefühl
war). Ob unser Kochbuch das Glück dieser Erde zu vermehren vermag (vgl.
EINSTIEG), ist bis jetzt noch offen, wir haben es nicht darauf angelegt – das
Kochbuch darf auch gerne traurig oder wütend machen – alles ist erlaubt.
ANMERKUNGEN
Der vorliegende Text ist in Teilen dem Kapitel „Und eine Prise Gefühl..."
(Bermeitinger, 2012) aus dem Kochbuch der Gefühle entnommen und basiert
außerdem in Teilen auf der Rede, die anlässlich der Buchvorstellung des Kochbuchs
am 07. November 2012 im Tempelhaus in Hildesheim gehalten wurde.
Das Kochbuch der Gefühle ist mit Unterstützung verschiedenster Personen
und Institutionen entstanden. Die Stiftung Universität Hildesheim, die Walter-Gropius-
Schule Hildesheim, die Universitätsgesellschaft der Universität Hildesheim, der
Verlag Gebrüder Gerstenberg mit Sven Abromeit und Thomas Hachmeister sowie
zahlreiche Einzelsponsoren (Gastro & Soul GmbH Hildesheim; Firma Fruchtleder aus
Braunschweig; Noah Restaurant, Cafe, Bar, in Hildesheim; Café Am Campus,
Hildesheim, Novotel Hotel Hildesheim; Zum Rotdorn, Hotel & Restaurant,
Wendhausen; Bürgermeisterkapelle, Hildesheim; Benjamin Unger,
Dennis Mertens; Sally Stephany; Thorsten Horenkamp; Uwe Neumann von
CookUOS; Katherine Bennett; Dr. Rainer Hermeling) haben finanziell und ideell zum
Projekt beigetragen. Die am Projekt beteiligten Studierenden und Auszubildenden
waren: Adrian Engwicht, Anna-Leena Feldkötter, Antje Nickel, Benjamin Tewes,
Carla Gross, Christopher Gieseke, Corinna Denger, Cornelia Seiberl, Daniel Heptner,
Daniel Kolan, Denis Tasdelen, Friederike Koch, Hannah Ruhnke, Jan Baegetius, Jan
Garbs, Jennifer Krüger, Jens Müller, Julia Hildebrand, Julian Trostmann, Laila
Sellner, Laura Flatau, Luisa Wilborn, Luise Maier, Lydia Schmieder, Marcel Gerlach,
Maria Pawljuk, Miriam Fabisiak, Mona Bode, Nicole Uecker, Ömer Kaplan, Petra
Bachmayer, Sabrina Schedwill, Saniye Krüger, Sarah Eltahir, Savasch Faesche,
Selcan Yagmur, Stephanie Kupfer, Thilo Weidmann, Timo Steingrube, Tobias
Pohlmann, Vera Storm. Ihnen allen und vor allem Lasse Althaus, der das Projekt als
Fachpraxislehrer für das Fach Kochen an der Walter-Gropius-Schule betreut hat,
ganz herzlichen Dank!
 
KONTAKT

JProf. Dr. Christina Bermeitinger
Universität Hildesheim
Institut für Psychologie
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Mehr zum Thema siehe auch:
www.kochbuch-der-gefuehle.de
 
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