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Aktionstag im Bohnenkamphaus 16.11.2012

»Ernährungs- und Gesundheits- und Umweltbildung innovativ vermitteln«

„Nachhaltige Bildung für Umweltbewusstsein, Gesundheit, Ernährung, Integration und soziale Verantwortung – eine Herausforderung für die universitäre Lehramtsaus- und -fortbildung"

»Agrobiodiveristät im Botanischen Garten«

Der Botanische Garten der Universität Osnabrück ist eine Einrichtung des Fachbereiches Biologie/Chemie. Das Ziel des Gartens ist die Biodiversität, die Vielfalt der Pflanzen zu erforschen, zu erhalten und zu vermitteln. Neben dem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Lehre und Forschung setzt der Garten sich auch mit dem Aufbau verschiedener Saatgut-Genbanken für den Erhalt unserer heimischen Wildpflanzen ein und leistet so einen Beitrag zum Naturschutz.

Die Grüne Schule übt als Umweltbildungseinrichtung im Botanischen Garten die Vermittlerfunktion aus und hat die Aufgabe ein allgemeines Interesse in der Bevölkerung für naturwissenschaftliche Fragen, Probleme und Entdeckungen zu wecken und zu fördern.

Das neu entstehende Areal vor dem kürzlich eröffneten Bohnenkamp-Haus im Botanischen Garten zum Thema „Agrobiodiversität“ stellt einen Bereich zur Demonstration heimischer Nutzpflanzen dar. Verschiedene Gemüsepflanzen, Beerensträucher und Obstbäume mit dem Schwerpunkt auf heimische, regionale Sorten werden dort zukünftig angebaut, die in ihrer Vielfalt neue Eindrücke verschaffen.

Darüber hinaus ist auch geplant, im Rahmen der Aktivitäten der Grünen Schule über die Ernte und Verarbeitung der Früchte weitere Sinne anzusprechen. Positiv gestimmt durch diese sinnlichen Erfahrungen, können dann weitere Inhalte vermittelt werden. Anknüpfend an die im Regenwald- und Nutzpflanzenhaus gezeigten exotischen Pflanzen des Botanischen Gartens können den Besuchern so auch globale Zusammenhänge über Anbau, Herkunft und Transportwege von unseren Nahrungsmitteln verdeutlicht werden.

Die Vermittlung dieses Wissens regt an, dass die Besucher angeregt werden, das eigene Essverhalten zu reflektieren: Welche Veränderungsstrategien könnten im eigenen Umfeld zu einer nachhaltigen Ernährung beitragen? Damit möchte der Garten zusätzlich zur Vermittlung von biologischen Kenntnissen auch einen Beitrag zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) leisten.

Univ. -Prof. Dr. rer. nat. Sabine Zachgo                   PD Dr. rer. nat. Nikolai Friesen

Direktorin des Botanischen Gartens                         Kustos des Botanischen Gartens

Lehrstuhl für Botanik Universität Osnabrück                       Universität Osnabrück

»Globales Lernen in Botanischen Gärten«

Formative Evaluation von Bildungsprogrammen

Globales Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung adressieren wesentliche Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaften in ökologischer wie in sozio-ökonomischer Hinsicht stehen. Übergeordnetes Bildungsziel dieser Konzepte ist es SchülerInnen in die Lage zu versetzen sich für eine „Zukunftsfähigkeit“ unser Wirtschafts- und Lebensweisen einzusetzen.

Eine besondere Herausforderung besteht hierbei im Zusammendenken verschiedener inhaltlicher, aber auch räumlicher Dimensionen, wie etwa das Zusammenspiel von globaler und lokaler Ebene. Dieser ganzheitliche Lernansatz braucht angemessene Formen der Umsetzung. Botanische Gärten sind hierfür in besonderer Weise geeignet. Zum einen weil interdisziplinäres Lernen hier über die Grenzen von Schulfächern hinweg umgesetzt werden kann.

Mit dem Schlüsselkontext Biodiversität bietet dieser besondere Lernort zum anderen die Möglichkeit Lernen am lebendigen Beispiel erfahrbar und mit allen Sinnen wahrnehmbar zu machen. Komplexe Zusammenhänge können so besser zugänglich gemacht werden.

Hauptsächliches Ziel des Projektes „Globales Lernen in Botanischen Gärten“ ist die Erweiterung von bestehenden Bildungsangeboten zu Programmen des Globalen Lernens. Hierzu entwickelte der interdisziplinäre Projektkreis, der aus VertreterInnen dreier Botanischer Gärten, dreier Universitäten sowie des Verbandes Botanischer Gärten e.V. besteht, gemeinsam eigene Evaluierungsinstrumente. Im Rahmen von Projektworkshops sowie durch die Beteiligung an externen Veranstaltungen wurden weitere Botanische Gärten gewonnen, die sich an der mehrphasigen formativen Evaluation beteiligen. Wesentliche Referenz für die Evaluation ist der „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ der Kultusministerkonferenz. Eine Auswahl von Kompetenzen, Methodiken und weiteren Qualitätsmerkmalen des Globalen Lernens , die sich durch die Bildungsarbeit Botanischer Gärten sinnvoll umsetzen lassen, wurde in drei Fragebögen operationalisiert. SchülerInnen, LehrerInnen und ReferentInnen beurteilen die Bildungsprogramme in Form eines Selbstberichtes und liefern damit eine Datengrundlage für die weitere Entwicklung der Angebote. Auch vollständig neue Bildungsprogramme des Globalen Lernens konnten auf Grundlage der Evaluationserkenntnisse entwickelt werden.

Univ. Prof. Dr. rer. nat. Susanne Menzel                             Moritz Busse

Abteilung Didaktik der Biologie                                           Abteilung Didaktik der Biologie

Universität Osnabrück                                                          Universität Osnabrück

http://www.biologie.uni-osnabrueck.de/Fachbereich/?x=ae,as

http://www.globaleslernenimbotanischengarten.de/

»Grüne Schule im Botanischen Garten«

Biodiversität generationenumfassend vermitteln

Als Bildungseinrichtung des Botanischen Gartens wirkt die Grüne Schule an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Ihre Besucherklientel reicht von den Jüngsten aus den Kindergärten über SchülerInnen aller Jahrgangstufen und Schulformen bis hin zu interessierten Erwachsenengruppen. Ziel der Grünen Schule ist es, mit ihren Angeboten einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung über die Bedeutung der Biologischen Vielfalt, deren Erhalt und nachhaltige Nutzung zu leisten.

Mit Blick auf die jungen Menschen ist es wichtig, mit ihnen in einen Kommunikationsprozess über die Zukunftsfähigkeit unserer Erde zu treten. Auch wenn nach wie vor die Pflanze im Mittelpunkt der Bildungsarbeit steht (dies impliziert bereits der Lernort Botanischer Garten), werden auf dieser Grundlage soziale, ökonomische, kulturelle und politische Aspekte in den Veranstaltungen thematisiert. Entsprechend dieses Ansatzes stehen im Projekt „Globales Lernen an lokalen Lernorten“ der Kakao als beliebtes Genussmittel, die Kartoffel als Stärkelieferant und Bäume als Rohstoffquellen im Fokus und bieten konkreten Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen. Die Veranstaltungen ermöglichen handlungsorientiertes, kooperatives und partizipatives Lernen durch Experimente, Planspiele und praktische Sequenzen.

Ebenfalls im Sinne von BNE ist das von der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte geförderte Projekt „Botanik in aller Munde“ ausgerichtet, das Pflanze und Ernährung zusammen bringt. Mit allen Sinnen können junge Menschen in der gerade entstehenden Agrobiodiversitätsfläche Grünkohl, Möhre, Pastinake & Co. erleben sowie bei Aussaat und Ernte im Experimentierfeld der Grünen Schule aktiv werden. Sie gewinnen Einblick in Pflanzenzucht und –anbau und von da aus kann der Bogen zur Verarbeitung und Vermarktung als Nahrungsmittel, als Tierfutter oder in andere Formen des Endverbrauchs (z. B. Energiegewinnung) geschlagen werden. Dies tangiert zukunftsrelevante Fragestellungen.

Claudia Grabowski-Hüsing, M.A.

Leiterin Grüne Schule im Botanischen Garten

Universität Osnabrück

http://www.bogos.uni-osnabrueck.de/1266.htm

 

»(Un)Sichtbarkeiten im Gesundheitssystem und Bildung für Nachhaltige Entwicklung«

„Medizin für die Bildung“ lautet der Titel des Buchs des bekannten Hirnforschers Manfred Spitzer (2010). Hier fordert Spitzer mehr Forschung in der Pädagogik, da es keine Reform mehr ohne empirische Absicherung geben dürfe, in der Medizin sei das doch auch Standard. Wenn es um die proklamierte empirische Fundierung und Absicherung geht, bedarf freilich nicht nur die Bildung der Medizin, sondern auch die Medizin der Bildung.

Sicherlich wäre es überzogen, das „Gesundheitssystem“ nur als Tummelplatz von „Krankheitserfindern“ zu betrachten oder bloß „Krankheit als Erfindung“ zu konstruieren, wie der Buchtitel eines ehemaligen Inhabers eines Lehrstuhls für Philosophie der Erziehung und späteren „Bildungsmanagers“ lautet , um den wahren Charakter der Ware Gesundheit im „Gesundheitssystem“ zu entlarven. Wie unzureichend allerdings eine Medizin ohne empirische Hinterfragung ihrer realen Leistungsfähigkeit jenseits instrumenteller Qualitätssicherung daherkommt, zeigt das Unbehagen an einem Gesundheitsmanagement, in welchem selektive, gefälschte oder von ökonomischen Interessen gesteuerte Studien an der Tagesordnung sind und die Zunahme apparativer Untersuchungsmethoden wie Endoskopie oder noch augenscheinlicher der Computer- und Magnetresonanztomographie (CT, MRT) weniger diagnostischer als technischer Effizienz (optimaler Kosten-Nutzen-Auslastung der Geräte) geschuldet scheint.

Abgesehen von der Unaufgeklärtheit einer Erziehungswissenschaft, welche sich als „empirische Bildungswissenschaft“ szientifisch selbst missversteht, indem sie Bildung mit Ausbildung oder Kompetenz verwechselt, teilt die Medizin hier das Schicksal der Pädagogik, welche als paidagogiketechne (griech.) ebenso wenig nur Wissenschaft ist wie Medizin nicht nur Heilkunde, sondern Heilkunst, welche jeweils zwar auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht, aber nicht auf science in einem streng naturwissenschaftlich restringierten Sinne reduzierbar ist ebenso wenig wie die Geisteswissenschaft monistisch in eine Gehirnwissenschaft auflösbar. Es bleibt daher zu fragen, wie eine verborgene Gesundheit vor ihrem Verschwinden in apparativen Systemen und analytischer Zerstückelung wieder sichtbar gemacht und als kulturelles Gut lehrend und lernend nachhaltig entwickelt werden kann.

Univ.-Prof. i. R. Dr. med. Dr.phil. Georg Hörmann

Fakultät Humanwissenschaften

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

http://www.uni-bamberg.de/?id=26945


»Ernährungserziehung im Kindesalter«

Gut gemeint aber oft kontraproduktiv

Durch gezielte Ernährungserziehung wird von Eltern, Lehrern, Erziehern, Ärzten u.a. versucht, das kindliche Essverhalten in die gewünschte Richtung zu steuern. Viele der oft intuitiv eingesetzten Erziehungsstrategien sind jedoch eher kontraproduktiv. Die Tabelle zeigt häufig verwendete Strategien/Interventionen zur Modifikation des Essverhaltens im Kindes- und Jugendalter und deren Bewertung im Überblick.

Ansatzpunkt

Strategie/Intervention

Belohnung

Non-Food Artikel oder andere Zuwendung statt Essen

Verknappung/

Verbote

Verbote fördern Präferenzen sowie ggf. Essstörungen und sind zum Management des Überflusses untauglich

Abschreckungs­pädagogik

Durch extrem ungünstige Kontingenzen ist die Drohung mit Schaden in der Zukunft keine hilfreiche Erziehungsmethode

Begriffe „gesund“

und „Ernährung“

Diese Begriffe sind kontraproduktiv, um Kindern Lust auf besseres Essen zu machen, „gesund“ wird zwar gewusst aber nicht gemocht

Implizite Gesundheit

Der beste Weg, um Kindern andere Lebensmittel schmackhaft zu machen -> Genuss und Geschmack stehen im Vordergrund, keine direkte Thematisierung von Gesundheit

Gemeinschafts­verpflegung

Ein gutes Speisenangebot, gute Rahmenbedingungen, mitessende Lehrer/Erzieher (Vorbildlernen) sowie Partizipation von Schülern in Planung und Umsetzung sind Voraussetzungen für einen günstigen Einfluss auf das kindliche Essverhalten

„gute“ und „schlechte“ Lebensmittel

Die Bewertung von einzelnen Lebensmitteln mit gut/schlecht oder gesund/ungesund ist kontraproduktiv

Portionsgrößen

Kindern von energiereichen Speisen eher kleine Portionen geben und ggf. fragen, ob Nachschlag gewünscht (erhält Essen nach Innenreizen)

Ernährungswissen

Kognitives Wissen ist für das Essen in der Praxis kaum relevant

Positive Emotionen

Diese beeinflussen das Essverhalten wesentlich stärker als Kognitionen

Ernährungsbildung

Fokus auf praktischen Fertigkeiten (Skills)

Kognitive Kontrolle

Rigide Kontrolle induziert Essstörungen, Flexible Kontrolle ist die Kontrollstrategie der Wahl

Körperliche Inaktivität

Keinen Fernseher im Kinderzimmer, Begrenzung der Nutzung passiver Medien (Computer, TV, Konsolenspiele)

Säuglingsernährung

Stillen bei vielfältiger Lebensmittelauswahl der Mutter (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte)

Beruhigung von Kleinkindern

Non-Food Artikel oder andere Zuwendung statt Essen

Neophobie

Kindern neue Lebensmittel regelmäßig aber ohne Zwang anbieten

Imitationslernen

Wesentliches Lernprinzip: Eltern und andere Vorbilder sollten vielfältige Lebensmittel selbst mit Genuss essen

PD Dr. med. Thomas Ellrott

Institut für Ernährungspsychologie

an der Universitätsmedizin  

Georg-August-Universität Göttingen  

http://www.ernaehrungspsychologie.org/

»Perspektiven einer transdisziplinären Ernährungsforschung und Gastroethik«

Vor dem Hintergrund der globalen Ernährungskrise beginnt sich seit einigen Jahren die Ernährungsethik als ein eigenständiges Themenfeld der bereichsspezifischen und praktischen Ethik zu etablieren.

Der Beitrag wird auf die philosophischen Grundlagen, die alltägliche Praxis und die gesellschaftlichen Grenzen dieser neuen «Gastroethik» eingehen.

Bezüglich der methodischen und normativen Begründungsanforderungen entstehen insbesondere zwei Aufgaben: ein interdisziplinärer Forschungsansatz sowie die moraltheoretische Herleitung der Kriterien eines ethisch »guten Essens«.

Mein Beitrag wird darüber hinaus die (bildungs-)politische Notwendigkeit herausstellen, in Zukunft eine diverse Disziplinen miteinander verbindende, transdisziplinäre Ernährungsforschung universitär zu institutionalisieren und die Ernährungsethik zur Agenda einer umfassenden Bildungsoffensive zu machen.

PD Dr. phil. Harald Lemke

Honorar- und Gastprofessuren Salzburg, Shanghai, Lüneburg

Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung

Leiter der Forschungsstelle Praktische Philosophie des Essens, Walldorf

http://www.haraldlemke.de/

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