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Agrobiodiversität am Beispiel vergessener Nutzpflanzen – ernährungsökologische Beiträge zur Nachhaltigkeit

von Dr. Dominique Remy, FB 05 Biologie (stellv. Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats CookUOS)
Abhängig von den erdgeschichtlichen und klimatischen Gegebenheiten haben sich global unterschiedliche Biodiversitätszentren entwickelt. Ihre natürliche Artenvielfalt ist das Ergebnis evolutiver Prozesse. Die „wilden“ Stammpflanzen unserer heutigen Kultur- oder Nutzpflanzen sind so in ganz unterschiedlichen Naturräumen entstanden. Biodiversitaet Gefaesspflanzen Guertel globalDemgegenüber ist die Vielfalt der Kultur- oder Nutzpflanzen das Ergebnis von teils zufälliger Auswahl, meist aber von gezielter Zucht. Anfangs auf ihre natürlichen Wuchsgebiete beschränkt, hat der Mensch durch Handel und Transport sowohl in die natürliche Biodiversität eingegriffen als auch die Agro(bio)diversität erst geschaffen und in der Folge stark verändert. Ein wichtiges Ergebnis natürlicher wie anthropogener Ausleseprozesse war die jeweils optimale Anpassung der Arten bzw. Rassen an lokale Standortbedingungen. Für die meisten Nutzpflanzen resultierte daraus ein großes Gen-Reservoir. Vielen Verbrauchern ist die frühere Vielfalt unterschiedlicher, oft lokaler Sorten oder Rassen von Nutzpflanzen nicht bewusst. Durch Umwelteinflüsse sowie durch die heute stark industriell geprägte Landwirtschaft und die Standardisierung im Handel wird diese Vielfalt, die eben nicht nur auf den Arten sondern besonders auch auf lokalen Sorten/Rassen beruht, zunehmend eingeschränkt. Damit geht häufig auch ein Verlust an genetischem Potential einher. Angesichts klimatischer und anderer standörtlicher Veränderungen sind aber kurz- und mittelfristig Nutzpflanzen notwendig, die gegenüber veränderten Klimabedingungen oder Schädlingsspektren resistent sind und trotzdem ausreichenden Ertrag liefern. Die alten, oft fast vergessenen Nutzpflanzensorten mit ihrer breiten genetischen Varianz können hier der Pflanzenzüchtung als Basis dienen. Diese scheinbar neue Erkenntnis ist gar nicht so neu. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte der Botaniker Wawilow Zusammenhänge zwischen genetischer Variation bei Kulturpflanzen und deren Entstehungszentren. Er gründete schon damals eine der größten Sammlungen an Saatgut von Kultur- und Wildpflanzen, um deren genetische Vielfalt zu erhalten und deren lokale Anpassungen zu nutzten. Erst heute wird diese Idee wieder weiterverfolgt. Um einen Teil der Artenvielfalt der Pflanzen zu erhalten, wurde u.a. eine internationale Genbank auf Spitzbergen im Permafrost geschaffen.

http://www.biologie.uni-osnabrueck.de/Fachbereich/?x=ae,bb

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