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Gastrosophische Reflexionen

Gastrosophische Reflexionen zu Essen und Genuss im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit und Ethik
Fragen an den Philosophen M. Niekamp, MA, Universität Osnabrück, FB 08 Institut f. Philosophie
 

philosohie meets gormet1. Die Gastrosophie ist eine junge Disziplin der Philosophie. Worum geht es ihr?
Ich würde nicht so weit gehen, der Philosophie das Primat innerhalb der Gastrosophie zuzusprechen, vielmehr sehe ich die Philosophie als eine Teildisziplin der Gastrosophie. Der Gastrosophie geht es um eine wissenschaftlich reflektierte Verhältnisbestimmung der Themen „Essen und Ernährung", wobei die Philosophie dabei an durchaus klassischen Fragen nach dem guten Leben sowie dem ethisch verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln interessiert ist. Außerdem ist ein aufklärerischer Anspruch erkennbar, den man mit einem abgewandelten Wittgenstein-Zitat beschreiben könnte: „Wer heute [Gastrosophie] lehrt, gibt dem anderen Speisen, nicht weil sie ihm schmecken, sondern um seinen Geschmack zu ändern."

2. Darf ich Fleisch essen, oder ist das nicht ethisch?
Das hängt natürlich von den normativen Prinzipien ab, die man vertritt. Da mir jedoch keine auf akzeptablen Normen beruhende Ethik bekannt ist, die das Töten von leidensfähigem, unschuldigem Leben (außer zu Notwehrzwecken) erlaubt, eine fleischlose Ernährung aber nun wirklich keine (gesundheitliche) Notwehrlage begründet, lässt dies für mich nur den Schluss zu, dass Fleisch zu essen unmoralisch ist. Allerdings gibt es beim Verzehr von Fleisch riesige, noch unnötigeres Leid vermeidende Unterschiede. Wenn schon unmoralisch, dann bitte mit Anstand!

3. Sollten Küchenchefs auf Nachhaltigkeit achten, z.B. durch den Einsatz von Bio-Ware?
Ja, sie sollten in unser aller Interesse auf Nachhaltigkeit achten. Ob dies allerdings durch Lebensmittel mit dem „Bio-Label" gewährleistet wird, ist eine zweite Frage. Zumindest der ökologische Fußabdruck einiger „Bio-Lebensmittel" ist viel größer als den meisten Umweltbewussten lieb sein dürfte. Das Etikett für „wirklich" nachhaltige Lebensmittel, die bezüglich Nährwert, Sicherheit, ästhetisch-geschmacklichen Eigenschaften, sowie ihrer ökologischen und sozio-ökonomischen Erzeugung moralisch optimiert sind, muss erst noch erfunden werden. Ob diese Lebensmittel dann überhaupt bezahlbar sind, ist wiederum eine dritte Frage.

4. Wie sieht die Gastrosophie den Genuss – ist zu viel Genuss unangemessen?
Zu viel Genuss ist dann nicht unangemessen, wenn die Quelle des Genusses nicht diejenige des zu vielen Essens (und Trinkens) oder sogar des verschwenderischen Umgangs mit natürlichen Ressourcen ist. Das ethisch völlig unverdächtige, nachhaltigste Wohlbefinden speist sich ohnehin nicht direkt aus dem Essen selbst, sondern aus anderen Quellen, allen voran dem identitätsstiftendem Moment des Essens sowie der sozialen Anerkennung für Raffinesse und Kreativität eines selbst zubereiteten (Gast-)Mahls. Mit gutem Gewissen kann man also für mehr Genuss bei ausgewogenen Kalorien votieren.

5. Wenn Sie privat essen gehen, worauf kommt es Ihnen im Restaurant an?
Wie wahrscheinlich jeder andere auch, lege ich Wert auf das Gesamtpaket aus der Begleitung, der Qualität des Essens, der Freundlichkeit des Services, dem Ambiente, etc. Allerdings meide ich Lokalitäten, die für einen rücksichtslosen Umgang mit Mensch, Tier oder Natur bekannt sind.

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